Sublime of Change Vanguard Life and Leadership Counseling The sublime Art of Inspiration and Match
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The Sublime is Cow

 

von der erhabenen Quelle des Lebens 

oder

Muh, am Anfang war die Kuh

 

Und dieses Gebet des Sängers, das sich stetig ausbreitete,

verwandelte sich in eine Kuh, die vor Anbeginn der Welt da war.

Von den Elementen und vielleicht auch von den Berührungen ihrer Verehrer leicht abgewetzt, hätschelt eine Kuh mit zeitloser Zärtlichkeit ihr neugeborenes Kalb in eine Stellung, in der es ihre warme Milch trinken kann. Inder können sich vorstellen, dass diese Milch sogar in einer Sandsteinskulptur fließt. Vor der Kuh wurde ein Altar platziert, auf dem vielleicht zeremonielle Kugeln aus Butterfett oder reiner Butter liegen. Die aus der reichhaltigen Milch der Kuh gewonnenen Kugeln werden ihr nun dargebracht und in einem ewigen Zyklus zurückgegeben. Das Wesen einer Kuh strahlt die Sanftmut müttlerlicher Fürsorge aus. 

 

Die Kuh ist der beste Lieferant von Wohlstand. Ihre Bullenkälber sind Arbeiter auf den Feldern, aus ihrem Dung wird Dünger, Treibstoff und Baumaterial für Häuser hergestellt, ihre Sehnen und Knochen werden zu Werkzeugen, ihr Fell wird für Kleidung verwendet, und ihre Milch ist ein optimales Nahrungsmittel. So wird sie zur Amme von Millionen Menschen.

 

In alten Vorstellungen verkörperte die Kuh die Mysterien der doppelten Transformation, bei der das Blut der Mutter das Junge schuf und sich dann bei der Geburt in Milch verwandelte. Kein Wunder, dass die Kuh als Muttergottheit verehrt wurde, die umsorgt, nährt und alles Leben erschafft. Sie war vor Anbeginn der Welt da. "Ich bin deine Mutter, die deine Gliedmaßen formte und deine Schönheiten schuf", spricht die ägyptische Kuhgöttin Hathor. In skandinavischen Mythen leckte die Urkuh Audhumla die salzigen Eisblöcke des Abgrundes zu Buri, den Ahnen der Götter, während ihre Milch, die als vier Flüsse strömte, den Riesen Ymir nährte, aus dessen Leib die Welt geformt wurde. In den Bildern, die die Natur bot, wurde die Kuhmilch in der Milchstraße, im weißen Mondlicht oder im Leben spendenden Regen gesehen. Kuhweg ist der alte Name der Milchstraße.

 

Als himmlische Kuh wölbt sich Hathor schützend über die Erde, ihr Bauch ist mit Sternen übersät. Sie war die Mutter der Sonne, die auch als das goldene Kalb "aus ihrem reinen Munde" galt. Die große Hörnerkrone der Kuh ähnelt dem Halbmond und wird von den drei großen ägyptischen Kuhgottheiten getragen: von Nut, Hathor und Isis, die für die Seele sorgen, so wie sie sich und das Sonnenkalb während seiner Reise durch Tod und Wiedergeburt kümmern. So gehört die Kuhgottheit dem Himmel wie der Unterwelt an, indes ihr robuster Körper sie mit der Erde verbindet. Die vier Beine der Nut, die die Form von Kuhbeinen haben, repräsentieren die vier Viertel der Welt. Im Verlauf der vier indischen kosmischen Zeitalter (yugas) verändert sich aufgrund der Verschlechterung der moralischen Lebensordnung etwas an den Beinen der Kuh Dharma: Zuerst hat sie nur noch klägliche drei Beine, dann muss sie auf nur noch zwei Beinen schwanken und schließlich blieb ihr nur noch ein Bein, auf dem sie jetzt - in unserem gegenwärtigen chaotischen Zeitalter - steht.

 

Die Verehrung der Kuh setzt sich auch im heutigen Indien noch fort, wo die Tiere frei durch die Ortschaften wandern können, unbehelligt Lebensmittel an Marktständen knabbern oder sich in den Verkehr betriebsamer Innenstadtstraßen mischen. Ihr Schutz vor jeglichem Leid geht vermutlich noch auf den Rigveda zurück, eine der ältesten Schriften Indiens. Tatsächlich scheint die Natur der Kuh mindestens so geheimnisvoll wie die ihres mythischen Gegenstücks.

 

Es muss am geduldigen Charakter der Kuh, an ihrer liebevollen Hingabe zu ihrem Kalb, ihrer nicht endenden Gabe von Milch, und ihrer fast tranceartigen Stille beim Kauen des Grases liegen, dass sie die Traditionen der Hindus so sehr inspirierte, dass sogar ein Kuhstall als Tempel für die Armen dienen kann und ihre Milch und Butter noch immer wichtige Bestandteile der religiösen Rituale sind. Das warme, feuchte Maul der Kuh wurde zu einer ländlichen Metapher für die erhabenste hinduistische Abstraktion - die göttliche Befreiung durch allen Dingen erwiesene liebende Zuwendung.

Und natürlich war der geliebte Gott Krishna ein junger Kuhhirte, der dieses Prinzip unter Herden und Kuhhirtinnen (gopis) demonstrierte. Gandhi schrieb einst, dass die einer Kuh entgegengebrachte Liebe das menschliche Wesen über die Spezies hinausbringt. Durch die Kuh wird dem Menschen auferlegt, seine Identität mit allem Lebenden zu erkennen. Schließlich wird das Melken der Kuh mit der Existenz der Welt verglichen. Ein einziges Melken der erhabenen Quelle, der großen, gefleckten Kuh, wird als das gesehen, in dem sich die Welt manifestiert. 

 

Nach dieser kosmischen Vision können wir uns die schlichte, erdverbundene Szene in Gedächtnis rufen, mit der wir begannen - der Skulptur der Kuh mit ihrem Kalb. Jetzt erkennen wir Maya, die ihre Nachkommen (letztendlich uns selbst) auf dem Kuhweg, der Milchstraße, anstupst, ihre Milch liebender Identität mit allem Leben zu trinken.

 

Das Buch der Symbole - Betrachtungen zu Archetypischen Bildern, Taschen, 2010

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© Christiane Klappert